Der Instagram Shadowban, was man dagegen tun kann und was nicht

Seit einigen Monaten nun (böse Zungen behaupten, seit dem Aufkauf durch Facebook) ist Instagram leider nicht mehr die Plattform, die es mal war. Instagram hat ursprünglich im Vergleich zu Facebook so gut funktioniert, weil es alle Beiträge jeder Person, der man folgt, in chronologischer Reihenfolge gezeigt hat. daher auch der Name Instagram, für instant, zu deutsch sofort oder unmittelbar, könnte man meinen. Bei Facebook hingegen wurde die Anzeige der Posts dadurch bestimmt, wieviel ein Nutzer mit den Inhalten der Seite interagiert. Scrollt er einfach nur drüber, ohne den Beitrag zu liken, kommentieren, teilen oder wenigstens anzuklicken, wertet Facebook das als mangelndes Interesse und zeigt Stück für Stück immer weniger von dieser Seite an, bis sie irgenwann ganz aus dem Feed des Nutzers verschwindet. Das war auch der Grund, wieso ich meine Facebook-Seite überhaupt nicht mehr pflege und neben dem Blog nur noch Instagram benutze.

Seit der Übernahme von Instagram durch Facebook haben fleißige, gut bezahlte Entwickler monatelang an einem raffinierten Algorithmus getüftelt, der genau das nun auch bei Instagram eingeführt hat. Deswegen sieht man seit einiger Zeit teilweise mehrere Tage alte Posts und andere Posts von Leuten, denen man folgt, gar nicht mehr. Es ist ihnen also tatsächlich gelungen, das Insta aus Instagram zu nehmen – eine Glanzleistung.

Da haben wir also nun zunächst einmal den Grund, wieso es seit einigen Monaten im Vergleich zu früher so viel schwieriger ist, konstanten Zuwachs an Abonnenten zu generieren. Aber Facebook wäre ja nicht Facebook, wenn ihnen nicht noch etwas feines eingefallen wäre, um Instagram weiter in den Dreck zu fahren: der Shadowban. Eine ganz fiese Geschichte, die einem auch nicht wirklich gleich auffällt, wenn man nicht genau aufpasst.

Nennen wir unseren vom Shadowban betroffenen User einmal ‚F‘. F hat einen Shadowban erhalten und was nun passiert, ist, dass alle Posts von F nicht mehr öffentlich unter den Hashtags erscheinen, mit denen er seinen Beitrag markiert hat. Das Gemeine ist aber, dass F selber sowie alle Nutzer, die F folgen, den Beitrag noch unter den Hashtags sehen – aber alle anderen nicht. Das hat drei einfache, aber schwer wiegende Folgen:

  1. Niemand, der F noch nicht folgt, sieht seine Beiträge, also ist es beinahe unmöglich, neues Publikum und damit neue Follower zu erreichen
  2. Mindestens 50% Abfall der Likes auf die Beiträge
  3. Wir erinnern uns an den neuen Algorithmus: weniger Leute sehen die Beiträge, dadurch gibt es weniger Interaktion, und dadurch sinkt die Sichtbarkeit der Beiträge noch mehr ab, weil ja weniger interagiert wird und der Algorithmus dadurch feststellt, dass kein Interesse an den Beiträgen besteht – Teufelskreis: die Interaktion wird nach und nach immer geringer, bis die eigenen Beiträge irgendwann gar niemandem mehr angezeigt werden

Eine gemeine Sache. Noch gemeiner ist allerdings, dass völlig unklar ist, wodurch der Shadowban ausgelöst wird, wie man ihn wieder los wird bzw. ob man ihn überhaupt wieder los wird oder wie lange er anhält. Instagram selbst bestreitet sogar, dass es diesen Shadowban überhaupt gibt, und hat es lediglich als Bug bezeichnet. Ist es aber nicht. Der Shadowban soll im Grunde Spam- und Bot-Accounts jegliche Reichweite nehmen – was auch eine tolle Sache wäre, wenn es nur diese Accounts betreffen würde.

Ihr habt es sicher bereits erraten: F aus meiner kurzen Geschichte war ich selbst. Ich habe erst vor kurzem meinen Instagram-Auftritt neu gestartet und zwei Accounts angelegt, um Architektur und Landschaft zu teilen. Der Landschafts-Account lief problemlos, der Architektur-Account war von Anfang an im Shadowban. Das verstehe ich ja noch, damit möchte man Spam eindämmen, das ist relativ normal und es dauert ein paar Tage, bis die Beiträge dann auch unter den genutzten Hashtags erscheinen.

Zwei Wochen nach Erstellung des Architektur-Accounts hatte sich immer noch nichts getan. So habe ich als Experiment einfach noch einen neuen Account erstellt und siehe da – sofort sichtbar, kein Shadowban. Die Logik dahinter erschloss sich mir nicht, aber okay, ich habe den ersten Account dann eben wieder gelöscht und den zweiten genutzt. So weit, so gut.

Vor etwas über zwei Wochen wollte ich auf meinem Landschafts-Account etwas posten. Direkt nach dem Post erschien die Aufforderung, ich solle mich per SMS-Code verifizieren. Gut, verstehe ich, ich war grad im Ausland und habe mich ständig von neuen IPs eingeloggt. Gesagt, getan, Code aus der SMS eingegeben, Account wieder zugänglich und zack – Shadowban ab dieser Sekunde. Auch die Logik erschloss sich mir nicht. Sie wollen, dass ich mich als legitimer Eigentümer des Accounts ausweise und als ‚Belohnung‘ dafür erhalte ich den Shadowban. Es hat etwas mehr als zwei Wochen gedauert, bis dieser einfach so wieder aufgehoben wurde. Ich weiß nicht, wieso ich ihn erhalten habe, ich weiß auch nicht, wieso er wieder entfernt wurde oder warum das exakt 15 Tage gedauert hat. Ich habe mich aber natürlich ein wenig mit dem Phänomen beschäftigt und bin zu folgenden Gründen gekommen, die einen Shadowban provozieren können – wohlgemerkt habe ich gegen keinen Einzigen davon verstoßen.

  1. Man überschreitet ständig die Follow/Like/Kommentar-Limits – zum Beispiel durch Nutzung von Apps oder Bots, die selbstständig Folgen oder Entfolgen
  2. Man kauft Likes oder Follower
  3. Man nutzt den 60-Hashtags-Glitch (erst 30 Tags in die Kommentare, dann den Beitrag editieren und nochmal 30 Tags in die Beitragsbeschreibung)
  4. Man postet seine Tags in die Kommentare statt in die Beschreibung des Beitrags
  5. Man nutzt ständig den selben Block von Tags
  6. Man nutzt gebannte Hashtags

All diese Punkte stehen im Verdacht, Shadowbans auszulösen. Daraus ergeben sich folgende 6 logische Konsequenzen, um den Shadowban zu vermeiden:

  1. Absolut keine Apps nutzen, die Interaktionen automatisiert ausführen und schon gar keine Bots
  2. Keine Likes oder Follower kaufen
  3. Finger weg vom 60-Hashtags-Glitch, erlaubt sind 30 und jeder einzelne mehr verstößt nun mal gegen die AGB, auch wenn es über den Bug funktioniert
  4. Tags nur noch in der Beschreibung des Beitrags einfügen und nicht im ersten Kommentar
  5. Die Hashtagwolke regelmäßig etwas abändern oder noch besser, zwei oder drei verschiedene Wolken haben und die immer mal im Wechsel benutzen
  6. Gebannte Hashtags führen oftmals nur dazu, dass nur der einzelne Beitrag im Shadowban landet und nicht der ganze Account bzw. alle folgenden Beiträge. Entfernt man den gebannten Tag, wird der Beitrag wieder angezeigt. Logischerweise sollte man aber dann gänzlich darauf verzichten, diese zu nutzen.

Was kann man nun tun, wenn man vom Shadowban betroffen ist? Zunächst einmal sollte man sich vergewissern, dass man wirklich einen erhalten hat und der letzte Post nicht einfach nur schlecht war und deswegen weniger Interaktion erhält. Es gibt einen sehr beliebten Shadowban-Tester, der angeblich anzeigt, ob der letzte Post oder gesamte Account im Shadowban ist. Dieser funktioniert nicht zuverlässig! Das haben leider nur sehr wenige bisher verstanden und er wird immer wieder empfohlen. Die Seite bescheinigte mir verlässlich, es sei alles in Ordnung, obwohl der Account klar einen Shadowban hatte. Es ist sehr einfach möglich, das selbst zu prüfen und zwar mit einem Inkognito-Browserfenster am PC oder auch Handy-Browser. Man öffnet einfach seinen Beitrag in einem Fenster, bei dem man nicht in Instagram eingeloggt ist, und klickt auf einen beliebigen Hashtag. Dazu bieten sich Inkognito-Fenster an, da diese auf alle Cookies verzichten und sich auch nicht automatisch einloggen. Taucht der Beitrag dort etwa 30 Sekunden nach dem Posten nicht auf, hat man einen Shadowban. Merkwürdigerweise erscheint er zunächst kurz, etwa 15-20 Sekunden nach dem Posten, und verschwindet dann.

Soweit, so gut, Shadowban sitzt. Was kann man nun machen, um ihn wieder loszuwerden? Darüber scheiden sich die Geister, da es dazu eben keine offizielle Stellungnahme gibt. Die Einen sagen, man soll ganz normal weiter posten und interagieren, wie man es vorher getan hat, Andere behaupten, man soll sich einfach ausloggen und den Account eine Woche bis zehn Tage nicht anrühren. Ich selbst habe mich dann wie folgt verhalten:

  1. Weitermachen wie bisher, aber die Aktivität etwas herunterfahren. Ich habe in den zwei Wochen 6 Bilder gepostet und hier und da was kommentiert oder geliked. So hat man mMn. am ehesten Erfolg, dass Instagrams Automatismen erkennen, dass man doch kein Spammer ist.
  2. Alle Hashtags aus allen bestehenden Beiträgen löschen. Bringen sowieso nix mehr, da sie irgendwo im Nirgendwo verschwunden sind und Beiträge im Grunde 2-3 Stunden nach dem Posten über Hashtags eh keine Interaktion mehr einfahren. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe – einerseits entfernt man so möglicherweise gebannte Tags und andererseits auch die immer gleichen Hashtag-Blöcke, sofern man solche genutzt hat.
  3. Die bisher verwendeten Hashtag-Wolken überarbeiten und verdächtige Tags entfernen.
  4. Das Problem über die App melden und zwar ständig. Jeden Tag. Ich habe einfach kurz geschrieben, meine Beiträge erscheinen unter keinen Tags mehr. Da man auf diese Anfragen keinerlei Antwort erhält, ist es schwierig zu sagen, ob es was bringt, aber man macht irgendwen darauf aufmerksam oder geht ihnen zumindest damit so sehr auf den Sack, dass sie den Ban vielleicht schon deswegen wieder entfernen, damit man aufhört zu nerven.
  5. Allen autorisierten Anwendungen den Zugriff auf den Account wegnehmen. Geht nur im Browser, über diese Einstellungsseite.
  6. In Anlehnung an 5. auch sofort die Nutzung sämtlicher externer Apps zur Steigerung von Likes und Follows einstellen
  7. Falls man einen Business-Account hat, diesen wieder auf Privat zurückschalten
  8. Zweistufige Authentifizierung aktivieren

Mehr kann man nicht tun, außer abwarten und bei jedem Post nachsehen, ob der Ban noch aktiv ist. Ich hoffe, der Beitrag hat Betroffenen geholfen oder kann zumindest vermeiden, dass noch mehr davon betroffen werden. Instagram macht halt auch keinen Spaß, wenn niemand mehr die Beiträge sieht.