Canon EF 11-24mm f/4L USM mit Filter nutzen

Seit Anfang des Jahres ist das Canon EF 11-24mm f/4L USM erhältlich, das erste rektinilear korrigierte Ultraweitwinkel mit extremen 11mm Brennweite. Bisher kam da nur das Sigma 12-24mm ran, was aber besonders zum Rand hin deutliche Schwächen zeigte. Problematisch am EF 11-24mm ist allerdings das massiv gewölbte Frontelement, was Filternutzung vor der Linse nur mit speziellen Adaptern sowie 150mm-Filtern möglich macht – eine kostspielige und auch klobige Angelegenheit.

Das 11-24mm besitzt allerdings auch einen rückwärtigen Filterhalter am Bajonett, in das Schnipsel der Größe 31x31mm eingesteckt werden können. Mich interessieren vor allem ND-Filter. Die günstigste Variante, an einen solchen Filter zu kommen, ist der Farbfolienkatalog von Lee. Eigentlich ein Musterheft und eigentlich für Blitzgeräte gedacht, bietet es ausreichend große Musterstücke, die man auf das Format des Filterhalters zuschneiden kann. Leider ist die dunkelste Variante im Katalog ein ND1.2-Filter, was einer 16-fachen Abdunklung entspricht. Statt beispielsweise 1s könnte man also 16s belichten. Am Tage nutzt das jedoch kaum was, da 16x viel zu wenig sind, um Belichtungszeiten der Größenordnung 20-30s oder länger bei Tageslicht zu erreichen. Die einzige andere mir bekannte Möglichkeit ist der Kodak Wratten 2, den es in Abstufungen bis runter zu ND6.0 (ca. 1.000.000x) gibt, aber leider nicht bei uns. ND6.0 sind natürlich viel zu viel, aber ND3.0 (ca. 1.000x) hat mich interessiert und so habe ich mir diesen von B&H Photo importiert. Aus einem Stück von 75x75mm kann man dann vier solcher Schnipsel schneiden, drei davon habe ich bereits an andere Nutzer des DSLR-Forum abgegeben.

Heute hatte ich mir nun mal vorgenommen, die Filter auszuprobieren. Dazu ging es in den Wald ans Flussbett. Vorweg kann man gleich mal sagen: das Handling ist durchwachsen. Man muss höllisch aufpassen, nicht die Folie zu beschmieren oder gar zu knicken. Mit kalten Fingern dann das Objektiv von der Kamera zu lösen, um einen dünnen kleinen Schnipsel Folie ins Bajonett zu schieben, ist etwas gewöhnungsbedürftig.

Nun folgen also drei Aufnahmen. Zuerst ohne Filter, dann mit dem Schnipsel aus dem Lee-Musterheft mit ND1.2 und schließlich mit dem Kodak Wratten 2 ND3.0.

Im direkten Vergleich sieht man, dass der Lee-Filter das Bild ein klein wenig abkühlt. Der Kodak Wratten verpasst ihm hingegen einen deutlichen Gelb-Grün-Stich. Das mag bei diesem Motiv noch gefällig sein, ist aber eindeutig zu erkennen.

Das war aber (leider) noch nicht alles. Der Kodak Wratten kostet zudem noch sichtbar Schärfe. Dazu hier drei 100%-Crops aus der Mitte in der gleichen Reihenfolge wie oben.

Da der Kodak Wratten aber ohnehin die einzige Möglichkeit ist, rückwärtig eine Abdunklung jenseits von ND2.0 zu erreichen, wird man wohl damit leben müssen, sofern man keine Frontfilter mit Filterhalter nutzen möchte.

Hier stehen die drei Aufnahmen in voller Auflösung zur Verfügung.